Von KI, Bedürfnissen und Erwartungen. Teil 1 - Weg vom Pyramidendenken
- Tim Dorbandt
- 13. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Jan.
In dieser Beitragsreihe möchte ich zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen, bei dem ich das gängige Modell der Maslowschen Bedürfnishierarchie mit dem Umdenken bei KI-getriebener Innovation im geschäftlichen Umfeld verbinde.
Wahrscheinlich läuft uns keine Grafik im Laufe von Schule, Studium, Fortbildungen oder Workshops so häufig über den Weg wie die Maslowsche Bedürfnishierarchie, aka Bedürfnispyramide. Seit etwas über 80 Jahren besticht sie durch ihre Einfachheit und erwirkt so manche „Ah” und „Oh” oder lässt die Gedanken gelangweilt abschweifen, weil man sie eben schon so oft behandelt hat. Auch im letzten Fall möchte ich bitten, ihr hier noch einmal kurz Raum zu geben - im weiteren Verlauf werde ich darauf aufbauen.

Die Pyramiden-Darstellung vermittelt ein sehr klares Verständnis: Zunächst müssen wir uns darum kümmern, dass unsere Defizitbedürfnisse gestillt wurden, bevor wir uns unserem persönlichen Wachstum, dem geistigen Streben, unserem goldenen Handwerk, der Selbstverwirklichung, zuwenden können.
Dabei ist es stark diskutabel, sowohl bzgl. der eigenen, als auch der gesellschaftlichen Wahrnehmung, wann man denn eine der Ebenen „erledigt“ hat. So werden Menschen in Krisengebieten wahrscheinlich einen etwas anderen Anspruch an die Sicherheit stellen, als wir es in Deutschland tun.
Das stabile Fundament für den Einsatz von KI
Transferiert auf den Einsatz von KI könnte man es beispielsweise wie in der folgenden Abbildung darstellen.

Dass wir für den Einsatz von KI gewisse Rahmenbedingungen brauchen, ist unstrittig, genau wie es unstrittig ist, dass die Selbstverwirklichung als TikTok-Star erst dann von Priorität sein kann, wenn man keinen Hunger leiden muss.
Die Pyramidendarstellung vermittelt jedoch, dass wir all diese Punkte zunächst vollständig erfüllt haben müssen, bevor wir zur Spitze kommen. Das Fundament muss stehen, damit es stabil weitergehen kann.
Diese hierarchische, serielle Art zu denken nimmt uns jedoch Flexibilität, da wir in den meisten Bereichen oft bereits auf einem Niveau sind, auf dem man gut aufbauen kann, ohne zunächst nach absoluter Exzellenz streben zu müssen.
Auch wenn man selbst gedanklich nicht in diesem starren Modell verankert ist, so kann es in der Kommunikation mit anderen hilfreich sein, von dieser Darstellung abzurücken, um das Gegenüber nicht durch unbewusstes Nudging in diese Richtung zu lenken.
Um sich dem Thema nun ohne starren Ablaufplan zu stellen, bietet sich eine wesentlich neuere und modernere Darstellung an.

Die Darstellung in den überlappenden Wellen als Dynamische Bedürfnishierarchie zeigt, dass wir mit dem nächsten Schritt anfangen können, auch wenn der vorherige noch nicht vollendet ist. Zudem zeigt es, dass die Intensität oder das Wichtigkeitsempfinden vorheriger Bedürfnisse abnimmt, wenn man sich mit dem folgenden Bedürfnis beschäftigt.
Der dynamische Weg zum KI-Einsatz
Hinsichtlich KI befinden sich die meisten Unternehmen aufgrund vorhandener Strukturen bereits im unteren Mittelfeld, ohne dies gezielt angestrebt zu haben.
Der parallele Aufbau einer soliden Basis ist zwar sinnvoll, darf aber nicht dazu führen, dass das eigentliche Problem aus den Augen verloren wird.
Spielereien, wie der Import des alten Intranets in einen Chatbot, kosten Zeit und bringen keine neuen Erkenntnisse, die man nicht auch einfach nachlesen könnte.
Oft reichen eine vorhandene Verfahrensdokumentation, ein einfacher Datenexport und das Gespräch mit Personen, die den betrieblichen Ablauf im Fachbereich gut kennen, aus, um Optimierungspotenziale zu identifizieren, zu formulieren und schließlich anzugehen. Ob die Lösung ein KI-Multi-Agenten-System oder ein cleverer Automatismus ist, ist dabei am Ende nicht von Belang.
Im nächsten Beitrag werde ich auf das Thema Erwartungen beim Umgang mit KI eingehen.
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